Bildungswissenschaftler/in im Bereich der Eltern-/Familienbildung

Entwicklung eines Lehrplanentwurfs nach dem 4C/ID-Modell

Lerntheoretische Einordnung

Der als kognitive Wende bezeichnete Wechsel von behavioristischen zu kogniti­vistischen Lernansätzen fand in den 60er Jahren statt. Lernen wird als Bildung komplexer mentaler Modelle und Wissenstrukturen verstanden, als interne Verar­beitungsprozesse von externen, objektiv vorhandenen Fakten (de Witt & Czerwi­onka, 2007). Diese internen Verarbeitungsprozesse sind die Basis des 4C/ID-Modells; van Merriënboer ordnet es selbst als "link between recent cognitive-psychological theories of learning and information processing and the practical field of instructional design" ein (1997). Das 4C/ID-Modell baut unter an­derem auf der Adaptive Control Theory von Anderson (1996) auf; dies und die enge Verbindung zur Cognitive Load Theory zeigt die tiefe Verankerung im Kog­nitivismus (van Merriënboer et al., 2003). Darüberhinaus vertritt das 4C/ID-Modell die Sichtweise des moderaten Konstruktivismus: Es geht von einem objektiv vorhandenen Wissen aus, ordnet jedoch induktive Schemakonstruktion und Abstraktionsvermögen von konkreten Fallbeispielen als die entscheidenden Schlüssellernprozesse unter die strategische Kontrolle des Lernenden ein (van Merriënboer, 1997). Die Integration von Scaffolding, das konstruktivis­tisch angesiedelt ist, unterstreicht die gleichzeitige Verortung des 4C/ID-Modells im Konstruktivismus (van Merriënboer et al., 2003). Zusätzlich sind instruk­tivistische Elemente integriert, die ihren Ursprung im Behaviorismus haben. Van Merriënboer bezeichnet "constructivist and instructivist approaches" als zwei As­pekte von Instruktion, die sich optimal ergänzen können und nicht als generelle Gegensätze angesehen werden müssen (1997; van Merriënboer et al., 2002). Das 4C/ID-Modell ist lerntheoretisch als kognitivistisch-konstrukti­vistisch ausgerichtet einzuordnen.

© 2012 Monika Köthnig | XHTML 1.0 Strict