Bildungswissenschaftler/in im Bereich der Eltern-/Familienbildung

Entwicklung eines Lehrplanentwurfs nach dem 4C/ID-Modell

Didaktische Szenarien

Dieser Begriff wird gemäß der Einordnung von Baumgartner benutzt, der das di­daktisches Szenario als eine "räumlich-zeitlich-soziale Präskription für ein bestim­mtes, didaktisches Lernarrangement" definiert (Baumgartner, 2011). Es ist das Skript für die Inszenierung eines bestimmten Lernarrangements, in dem alle notwendigen Elemente wie Ausstattung des realen oder virtuellen Raums, Hand­lungen und Zeitrahmen zusammengestellt werden (Baumgartner, 2011). Da der nach dem 4C/ID-Modell in Kapitel 2 erstellte Lehrplanentwurf für das An­wendungsbeispiel als virtuelle Lernumgebung realisiert werden soll, ist es erfor­derlich, passende didaktische Szenarien auszuwählen, die sich für das E-Learning eignen und sich in den Entwurf integrieren lassen. Ausgangspunkt dazu sind die didaktischen Modelle von Flechsig (1996, zitiert nach Heyer & Nowaczyk, 2005) für die Präsenzlehre, die von Heyer und Nowaczyk (2005) auf Szenarien des E-Learning übertragen wurden.

Besonders gut eignet sich die Fallmethode zur Integration in den Lehrplanent­wurf. Sie dient vor allem zur Schärfung der Urteils- und Entscheidungsfähigkeit des Lernenden. Der Lernprozess wird dabei durch den Lernenden selbst gesteuert; beteiligt ist er auch bei der Contenterstellung. Die Einführung in den Fall (präsen­tiert als Ist-Zustand einer Lernaufgabe oder als unterstützende Information) kann mit Hilfe eines webbasierten Lernmanagementsystems (LMS), z.B. Moodle, ge­schehen. Der Einsatz vielfältiger Medien (Bild, Film, Audiodatei) ist ohne Medienbruch möglich und es stehen ausreichend Ressourcen für komplexe Dokumen­tenstrukturen bereit. Außerdem sind Kommunikations- und Autorenwerkzeuge verfügbar, die den Austausch mit dem Experten und den Mitlernenden ermög­lichen (Heyer & Nowaczyk, 2005).

Auch das Tutorium ist ein geeignetes didaktisches Szenario für die virtuelle Umsetzung des Blueprint. Hier steht die Lernerfahrung der Tutoren im Vordergrund, während sie den Mitlernenden ihr angeeignetes Wissen, ihre Entscheidungen und die ausgearbeiteten Präsentationen und Evaluationsdokumente vorstellen (Heyer & Nowaczyk, 2005). Als Werkzeug für ein E-Learning-Tutorium bietet sich das virtuelle Klassenzimmer an. Direktes Feedback der Mitlernenden ist mittels Chat (schriftlich oder per voice) möglich; der Lehrende kann als stiller Beobach­ter folgen. Das gesamte Tutorium ist aufzeichenbar, sodass eine Auswertung des Lehrenden und Peer Reviews der Mitlernenden erstellt und in einem LMS allen Beteiligten zur Verfügung gestellt werden können.

Das Werkstattseminar lässt sich ebenfalls gut in den Lehrplanentwurf integrie­ren (Heyer & Nowaczyk, 2005). Wie beim Tutorium bietet sich eine Umset­zung mittels virtuellem Klassenzimmer an, in dem die Lernenden die Rolle des Experten übernehmen. Im Mittelpunkt steht das Trainieren der direkten Kommu­nikation mit einem Gesprächspartner und der Programmteilnehmer; die entsprech­enden Elemente im Entwurf sind Elterngespräch, Diskussionsleitung und Beant­wortung von Fragen im Anschluss an die Präsentation. Im Unterschied zum Tuto­rium sind Lehrende und Experten als Teilnehmer eingebunden und beteiligen sich. Dies erhöht die Realitätsnähe des Szenarios beträchtlich. Im Anschluss kann mit Hilfe der Aufzeichnung eine detaillierte Analyse durchgeführt werden.

Zur individuellen Erarbeitung der unterstützenden Informationen, Ablage von No­tizen sowie Anlegen und Führen eines Lerntagebuchs ist der individuelle Lern­platz als didaktisches Szenario für diesen Lehrplanentwurf ebenfalls sehr geeignet (Heyer & Nowaczyk, 2005). Die Realisierung ist innerhalb eines LMS durch die Bereitstellung der Werkzeuge Blog oder ePortfolio leicht möglich.

© 2012 Monika Köthnig | XHTML 1.0 Strict